Hey!
Nach einer ganzen Weile muss ich ja mal wieder etwas von mir hören lassen 
Nun habe ich meine ersten 4 Arbeitswochen hinter mir.
Bis Weihnachten sind es noch 3 weitere Wochen und das heißt, dass ich bis dahin Arbeiten gehen werde. Aber für Weihnachten habe ich noch keinen Plan. Mal sehen was bis dahin ist und sich so ergibt.
Aber zum Thema Weihnachten: es kommt hier keine Weihnachtsstimmung auf. In den Supermärkten kann man Adventskalender kaufen – direkt neben Badehosen und Sonnenhüten. Es läuft jetzt schon Weihnachtsmusik in den Geschäften und meine Eltern haben mir geschrieben, dass sie am Sonntag erstmal Glühwein trinken gehen…Da kam mir der Gedanke: „Hey, am Sonntag ist ja der erste Advent!“…Hier sind Temperaturen von 25° – manchmal kälter manchmal wärmer und die Sonne scheint. Es kommt mir vor als wäre es immer noch August oder September 
Leider kann ich dieses Jahr nicht bei -10° auf den Weihnachtsmarkt stehen und einen schönen warmen Glühwein trinken. Aber was solls, dafür kann ich Baden gehen
Nun aber zu Blenheim. Blenheim ist ein Kuhkaff. Vergleichbar mit Borna oder auch Neukirchen. An sich kann man hier nichts machen. Es ist die größte Stadt im Marlborough Bezirk und hat demnach alles wichtige was man braucht, wie Bibliothek, Supermarkt, Bank etc. Aber das wars auch schon. Angeblich soll es hier 3 Clubs geben, aber die haben wir noch nicht gefunden. Ansonsten hat man hier noch ein paar Bars und Restaurants. Der Strand ist 15km entfernt, aber ich habe ja nun ein Auto und kann bis dahin fahren (dazu später mehr
). Achja, dass Wetter ist nicht schlecht mit 1200 Sonnenstunden im Jahr…auch wenn es anstrengend ist bei der Mittagshitze mit öfters mal 30° seine Arbeit zu verrichten. Zusammengefasst kann man sagen, dass es eine ideale Stadt ist wenn man die ganze Zeit arbeitet.
Unsere Freizeit gestaltet sich ganz verschieden. Manchmal gehen wir in eine Kneipe, um mit ein paar Kiwis zu Pokern oder letztens waren wir bei einem Konzert in einer Bar. Manchmal spielen wir Dart oder trinken einfach nur ein paar Bier oder Wein. Irgendwas, was man machen kann findet sich immer.
Mein Backpacker Hostel „Peace Haven“ passt sich da ganz gut an. Es ist ein Arbeiterhostel. Das heißt, dass da nur Leute sind, die mehrere Wochen bleiben. So habe ich schon einige Freundschaften geschlossen und Kontakte geknüpft. Das Hostel an sich ist eher sporadisch eingerichtet. Die Küche ist nicht der Knüller, aber es reicht. Mein Zimmer ist auch in Ordnung (mit eigener Küche und Bad- Glück gehabt), aber nächsten Montag werde ich sowieso ins Auto ziehen.
Die Leiter vom Hostel sind Koreaner und machen jeden Abend für die Backpacker Reis. Sie haben uns auch angeboten jeden Samstag zu der „Salvation Armee“ zu gehen, was der Heilsarmee entspricht…das Essen dort schmeckt ganz gut
An sich sind die Koreaner alle nett, aber wenn es um Geld geht, wird man abgezockt und ausgebeutet. Beispielsweise wollten ich den Kofferraum vom Auto saugen und die meinten auf einmal, dass es mich 2 Doller kosten würde wegen den Energieverbrauch. Natürlich habe ich die nicht bezahlt…
Abzocken und Arbeiten ist sowieso ein Thema für sich hier in Blenheim…
Der Weinanbau ist ganz groß geschrieben. Es gibt 70 Weingüter und 117 Contractors (Unternehmen), die die verschiedenen Arbeiten auf den Vineyards (Weingüter) ausführen, welche Saison abhängig sind. Ich habe bisher 3 verschiedene Arbeiten gemacht: Bud Rubbing, Wire Lifting und Double Shoots. Alle Arbeiten sind recht einfach, also ich meine, dass man geistig nicht gefordert wird, dafür aber körperlich um so mehr. Ich werde einfach mal die Aufgaben erklären, damit man es sich besser vorstellen kann.
Bud Rubbing: Man hat einen Handschuh an und muss den Stamm der Pflanze umfassen und bis zum Boden die oberste Schicht der Rinde sowie alle Blätter entfernen per Rubbing (Rubbeln). Am Anfang habe ich mir meine Unterarme zerkratzt, weil ich an abstehenden Ästen hängen geblieben. Nach der Arbeit hat man riesige Rückenschmerzen, da man sich permanent bücken muss und am nächsten Tag kommt der Muskelkater in den Beinen dazu. Die Rückenschmerzen lassen mit den Tagen nach, aber die Beine schmerzen umso mehr 
Wire Lifting: Es gibt erstes, zweites und drittes Wire Lifting. „Wire“ heißt Draht und man präpariert damit den Weinstock. Das heißt, dass die Äste und Blätter am Kopf der Pflanze in Form gebracht werden und nach oben wachsen und nicht zur Seite. Um so größer die Äste werden, umso höher muss man die Drähte hängen. In einer Pflanzenreihe befinden sich Holzpfosten im Abstand von je 4 Pflanzen an denen sich Nägel oder Clips befinden, in die man die Drähte einspannt. Man läuft den ganzen Tag nur rum und hört nebenbei Musik. Es ist wie eine große Wanderung. Ich schätze mal, dass man so 8-10km läuft wenn nicht sogar mehr.
Double Shoots: Das habe ich bisher nur einmal gemacht und auch nur kurz. Man schaut auf den Kopf der Pflanze und guckt aus welcher Knospe 2 Äste wachsen. Und dann macht man eine kaputt.
Die Weinpflanzen sind in Reihen angeordnet und Blöcken zusammengefasst. Die Reihen haben unterschiedliche Längen (von 50-260 Pflanzen) und der Abstand beträgt ungefähr 1,50m von Pflanze zu Pflanze.
Die Bezahlung ist unterschiedlich. Entweder arbeitet man auf Stundenlohn, welcher den Minimum Wage (Mindestlohn) von 12,50 entspricht oder man arbeitet auf Contract, wie ich die letzten Wochen. Da wird man nach Pflanze bezahlt.
Am besten bezahlt ist Double Shoots dann Bud Rubbing und zum Schluss Wire Lifting. Aber die Preise variieren von Contractor zu Contractor – und das ist der Punkt…Ich wollte mir meine eigene Meinung bilden über die Inder oder Asiaten. Aber was gesagt wird stimmt: die zocken einen ab und bezahlen schlecht. Am besten wird man bei Kiwis bezahlt. Zum Beispiel hat ein Hostelkollege 6 Cent pro Pflanze beim Bud Rubbing bezahlt bekommen als er auf einen privaten Weingut gearbeitet hat.
Beim Bud Rubbing kann ich an guten Tagen 160 Doller verdienen (es gehen dann immer 20% Steuern weg -.-) und in einer Woche mit 6 Arbeitstagen hatte ich 850 Doller zusammen. ICh bekam 3,5Cent pro Pflanze und habe durchschnittlich 4500 am Tag geschafft. Aber danach war ich echt fertig. Die Erste war bisher meine beste Woche und ich habe gedacht, dass ich jede Woche so viel verdienen könne. Aber falsch gedacht. Die Bud Rubbing Saison ist vorüber und es wird nur noch Wire Lifting gemacht.
Aber jenes ist halb so gut bezahlt. Die Woche hatte ich meinen Contractor gewechselt und ich bin bei einen miesen Inder gelandet. Im Büro, als ich den Arbeitsvertrag unterschrieben habe, war er ganz nett und freundlich, aber ist immer ausgewichen, als wir nach der Bezahlung gefragt haben. Am ersten Arbeitstag meinte er dann wir bekommen 1,5 Cent pro Pflanze. Wie gesagt, Wire Lifting ist einfacher als Bud Rubbing, aber du musst jede Pflanze von 2 Seiten bearbeiten und das kostet genau so viel Zeit, wie beim Rubbing. Demnach habe ich dann immer unter Minimum Wage gearbeitet. Mein Plan ist es nun ab der kommenden Woche einen Contractor zu finden der mich auf stündlicher Basis bezahlt oder mir mindestens 2 Cent anstatt 1,5 Cent pro Pflanze gibt.
Achja, da fällt mir gerade ein, dass ich von meinen letzten Dienstag berichten muss: es war der erste Arbeitstag bei den verfluchten Inder. Ich habe zusammen mit einem Kumpel gewechselt. Der eigentlich Grund für den Wechsel war, dass wir bei unseren alten Contractor keine Arbeit für eine Woche gehabt hätten. Jedenfalls haben wir 6Uhr angefangen zu Arbeiten (das heißt 5Uhr aufstehen), wie jeden anderen Tag dieser Woche. Wir waren die ganze Zeit die schnellsten aus unserer Gruppe und haben am meisten Pflanzen gemacht. Aber bei 1,5 Cent kann man nicht reich werden. Wir sollten bis 14Uhr arbeiten, aber der Inder meinte, dass wir noch 2 Stunden länger machen müssten. Super, dass hat alle Planung durcheinander gebracht…Gegen 16Uhr waren wir fertig und durften endlich fahren. Es haben uns 2 Mitarbeiter in ihren neu gekauften Van mitgenommen. Sie meinten, dass er super läuft und es wäre kein Problem uns mitzunehmen. Wir haben das Weingut verlassen und sind 2min gefahren, als an einer Baustelle der Motor ausging. Klasse, Motorschaden…So durften wir die ganzen 5,5km bis nach Hause laufen und waren schließlich 18Uhr zurück. Am Abend haben wir durchgerechnet wie viel wir verdient haben: ganze 40 Doller (nach Abzug der Steuern) in 10 Stunden. Ein Stundenlohn von 4 Doller pro Stunde und dann muss man noch 4 Doller Spritkosten abziehen. ICh weiß auch nicht. Eigentlich hätte ich richtig mies drauf sein müssen, aber ich habe die ganze Sache mit Humor genommen und mir gedacht, dass es ab und zu auch mal scheiß Tage geben muss

Was gibt es noch zu erzählen? Die Themen Stadt, Arbeit und Unterkunft sind fertig, da bleibt nur noch…Auto. Ich habe mir letzte Woche Montag ein Auto gekauft. Genau genommen ein silbernen Subaru Legacy aus dem Jahr 1996 – ein Kombi. Heute habe ich mir meine Matratze gekauft, weil ich wie gesagt ab Montag in der Karre pennen will um 30 Doller pro Woche zu sparen.
Es ging eigentlich alles viel zu schnell mit dem Auto. In Blenheim werden Autos, die zum Verkauf stehen einfach auf einen öffentlichen Platz gestellt, damit jeder sie betrachten kann. Der Platz liegt auf den Weg zur Bibliothek, zu welcher ich gelaufen bin. Ich habe das Auto gesehen und der Verkäufer war gerade da. Der Typ war ein Kiwi, welcher mir eigentlich viel zu wider war – ziemlich ungepflegt, nach Zigarettenqualm stinkend, lange fettige Haare und die vorderen Zähne fehlten. Er meinte, dass er das Auto so schnell wie möglich verkaufen will, weil er in 2 Tagen die Stadt verlässt. So haben wir gleich eine Probefahrt gemacht. Ich hatte ein paar Probleme beim Kuppeln, welche mittlerweile verflogen sind. Das Auto hat einen guten Eindruck gemacht, lief gut und im einem sehr guten Zustand für ein 14 Jahre altes Auto mit 212000km. Es stand zum Verkauf für 1600…ICh teile den Verkäufer mit, dass ich noch eine Nacht drüber schlafen will. Am nächsten Tag hatte ich frei genommen, weil ich das Auto eventuell kaufen wollte. Ich traf mich gegen 1 mit dem Verkäufer. Vorher hatte ich ihm mein Angebot getextet: 1250 Doller und er soll die WoF (Warren of Fitness=TÜV) erneuern. Als ich dann am Treffpunkt ankam war auf einmal eine andere Frau dabei, die auch das Auto kaufen wollte. Das Auto hat auf einmal nur noch 1000 Doller gekostet. Ich wurde dann ein bisschen skeptisch. Naja, ich hab mir dann gedacht: „Scheiß drauf“ und habe das Auto für letztendlich 940 Doller gekauft, was ein relativ geringer Preis war. Mittlerweile habe ich eine Versicherung, bin beim Automobilclub und habe meine Registration verlängert. Nun muss ich nur noch die WoF erneuern, aber ich denke mal das es kein Thema sein sollte.
Mal sehen wie es in den nächsten Wochen läuft: in Neuseeland zählt nur Glück oder Pech beim Autokauf

Ich glaube, dass ich nun alles erzählt habe, was so in den letzten Wochen passiert ist
Greetings
Sorry, eigentlich dahcte ich, dass ich den Artikel schon Samstag hochgeladen habe. Aber da ging was schief